ADHS ist (k)eine Krankheit


Ein Beitrag vor Dr. Martin Winkler
Quelle:
https://steemit.com/adhs/@martinwinkler/adhs-vorurteile-und-unwissen-teil-1


ADHS ist real!


Wer die Existenz von ADHS als häufigste Kinder- und jugendpsychiatrische Störung in Frage stellt, hat meist selber nie Kontakt mit betroffenen Kindern, Jugendlichen oder Erwachsenen. Das "Wissen" wird durch eigene Meinungen ersetzt. Oder besser gesagt durch Vorurteile.


Eine Auseinandersetzung mit der Fachliteratur und Experten-Konsens bzw. den Erfahrungen der ADHS Selbsthilfe unterbleibt. Die Anzahl der wissenschaftlichen Untersuchungen und Studien auf Pubmed wissenschaftlichen Veröffentlichungen zum ADHS-Spektrum ist kaum noch zu überblicken. Diese ganze Arbeit bzw. jeweils aktualisierten Konsens der Fachleute nehmen aber die "ADHS-Kritiker" überhaupt nicht zur Kenntnis.


Es macht keinen Sinn mit solchen "Leugnern" in eine Diskussion zu gehen. Don´t feed the troll. Aus meiner Sicht hilft da eigentlich nur, mit Aufklärung und Sachlichkeit die anzusprechen, die ernsthaftes Interesse haben und sich informieren wollen.


ADHS ist ein Syndrom!


Zunächst einmal ist - wie bei allen psychischen Störungen - eine Aufmerksamkeits-/Hyperaktivätsstörung eine Ansammlung von bestimmten Wahrnehmungs- und Verhaltensbesonderheiten, die im individuellen Lebenszusammenhang (Kontext) zu Abweichungen der Entwicklung und Teilhabe im Leben verursachen. Das wiederum wird zu einem Leidensdruck bzw. negativen Folgen für die betroffenen Kinder, Jugendliche und Erwachsenen führen.


Man kann sich gut und gerne darüber streiten, ob nun ADHS ein glückliche Bezeichnung ist. Aus meiner Sicht natürlich NICHT, da es so herzlich wenig mit einem Defizit an Aufmerksamkeit zu tun hat. Aber noch weniger mit "Zappeligkeit". Die Zuordnung zu einer Diagnose ist insofern eigentlich nur deshalb notwendig, weil darüber dann eine Abrechnung diagnostischer und therapeutischer Leistungen in unserem Krankenkassen-System erfolgen kann.

Du bist nicht ADHSler und Du hast nicht ADHS


Letztlich ist es also eine Bezeichnung, die wenig über das Individuum aussagt. Man IST also nicht ADHSler. Die Besonderheiten von ADHS sind vielmehr ein (mehr oder weniger kleiner) Teil der individuellen Persönlichkeit.


Man "hat" auch nicht "ADHS" bzw. bekommt es nicht - aber verliert es auch nicht. ADHS ist eine angeborene Veranlagung = Disposition. Ob diese Veranlagung sich nun im Sinne einer Benachteiligung = Handicap oder gar Krankheit bis hin zur schwerwiegenden Behinderung auswirkt, zeigt sich eben erst individuell. Leider ist es aber eben so, dass Unwissenheit bzw. dann irrsinnige Erwartungen an die Kinder seitens ihrer Eltern bzw. Erzieher und Eltern dazu führen, dass es durch Anpassungsversagen zu Behinderungen bis hin zu Traumata kommt. Man verlangt von den Kindern häufig Leistungen, die sie aufgrund ihrer Entwicklungsverzögerungen der Selbstorganisation bzw. der anderen Art der Wahrnehmung und Informationsverarbeitung gar nicht leisten können.

Stärken bei ADHS


Die bloße Existenz dieser Merkmale auf einer Liste bzw. Fragebogen sagt überhaupt nichts darüber aus, ob daraus ein Krankheitswert entsteht. Ganz wichtig ist auf jeden Fall, dass sich sowohl Beeinträchtigungen, aber auch durchaus jede Menge Stärken und eine ganze Fülle von liebenswerten Eigenschaften wie Hilfsbereitschaft, Kreativität, Empathie etc entwickeln können und werden.

ADHS ist keine Störung - aber ADHS verursacht Störungen


Die blosse Existenz von einer bestimmten Anzahl von ADHS-Merkmalen sagt also überhaupt nichts über eine etwaige Krankheitswertigkeit aus. Aber klar ist auch : ADHS kann bzw. wird häufig Störungen der Entwicklung und des Selbstwertgefühls auslösen. Und dies eben lebenslang und häufig so, dass es nicht oder viel zu spät erkannt wird.